14.11. Die alte Dame

Gestern habe ich euch schon von der alten Dame mit den psychischen Problemen erzählt.

Schlimmes ist nicht passiert, aber ich erzähl euch mal was gestern hier vorging:

Ich hatte gestern frei, aber zwei meiner Kolleginnen Dienst.
Irgendwann am vormittag bin ich auf dem Weg zur Müllinsel am Geschäft vorbeigegangen, und sah die kranke Dame drin sitzen. Unauffällig was ich so im Vorbeigehen sah.

Nachdem ich den Müll loswurde, bin ich zurück und auch in den Laden rein.
Und dann erst hab ich bemerkt was los ist, die alte Dame hat völlig durchgedreht, alle Kunden, die Mitarbeiter beschimpft, mich sofort angegangen, sie wisse wir wollen sie alle nach Gugging (Psychiatische Klinik hier in Niederösterreich) bringen lassen usw.
Meine Kollegin versuchte sie dann dazu zu bringen nach Hause zu gehen, worauf die alte Dame auf sie losging und sie körperlich attackierte. Daraufhin nahm ich mein Telefon und rief die Polizei. BEVOR wirklich was passiert. Die alte Dame wurde zusehends rabiater.

Die Polizei kam dann nahm meine Daten auf und die meiner Kolleginnen, sowie meine Telefonnummer.
Ich sagte ihnen wenn sie die Dame abholen lassen würden, und das würde der Fall sein, man warte nur auf den Amtsarzt, würde ich die Katzen der DAme zu mir nehmen oder einfach einen Schlüssel übernehmen um zu den Katzis zu können.

Ja kein Problem meinte der Herr Polizist und ich ging erleichtert heim.

ABER niemand meldete sich bei mir.
Soo rief ich dann nach Stunden nochmal an, man teilte mir mit man hätte keinen Schlüssel abgenommen, die Katzen würden schon nicht verhungern,…!!!!
Ich wollte am liebsten durchs Telefon….

Ich rief dann die Freundin an, mit der ich gestern Abend schon bei der DAme war, und die meinte sie ruft mal in der Klinik an, ob wir vielleicht den Schlüssel vom Haus bekommen könnten.

Gesagt, getan, sie holte mich ab und wir fuhren in die Psychiatrie Abteilung des zuständigen KH’s.
Die Frage war ja nur, ob Fr. R. uns den Schlüssel gibt, wenn sie ihn nicht freiwillig hergibt meinte man beim Telefonat, könnten die und wir nix machen.

Wir also dort in die Abteilung rein, kam uns Frau R. mit einer Schwester schon entgegen. Bevor wir noch ein Wort sagen konnten fragte die Schwester Frau R. ob sie uns kenne, Gott sei dank, sie hat uns erkannt und auch benennen können…sonst hätten die uns wohl wieder weggeschickt.

Sie bekam ihr Abendessen, wir plauderten mit ihr, sie sprach weiterhin wirres Zeugs von dem ich wußte das war nicht so, ich war ja vormittags dabei…unglaublich, wie aus einer Geschichte eine völlig andere werden kann. Aber das ist wahrscheinlich das Krankenbild dieser Krankheit, ich kenne mich zuwenig aus.

Irgendwann kam sie selber auf die Katzerln zu sprechen (DAS wußte sie ganz genau, dass die alleine daheim sind), und meinte ob wir wohl den Schlüssel mitnehmen könnten und die Viechaln füttern. (Uns fiel ein Stein vorm Herzen).
Sie erzählte uns wo wir Katzenfutter und neues Streu finden würden.
Ach da war sie ganz klar und richtig in ihren Aussagen.

Schlüsselübergabe, meine Bekannte gab ihr noch 10 Euro, weil sie kein Geld mithatte und wir gaben ihr die mitgebrachte Schokolade.

Wir machten uns auf den Heimweg, Katzenfutter hatte ich sicherheitshalber auch von zu Hause von mir mitgenommen, aber wie gesagt das war eh alles vorhanden. Außer Trockenfutter, da hab ich dann noch einen Napf voll angefüllt, die Katzerln sind erst ein halbes Jahr alt.

Im Haus angekommen traf uns dann fast der Schlag.
Es ist ein altes Haus, sehr alt und von Haus aus schon kein schönes, aufgeräumtes. Aber was uns erwartete kann man fast nicht beschreiben.
Die Katzen liefen sofort zu uns, man sah ihnen an sie hatten sehr großen Hunger, die fraßen jeder eine Dose auf Anhieb zusammen und nahmen dann auch noch Nachschlag.
Im gesamten Haus sah es wie nach einem Bombenanschlag aus, verdreckt, unaufgeräumt Blutflecken auf dem Boden, Glasscherben verstreut, dreckiges, kaputtes Geschirr.
Man hat gesehen dass hier jemand einige Zeit (nicht allzu lange allerdings) gewütet hat,..wahrscheinlich seit einer Woche wo uns auffiel dass Frau R. anders war.

Das Katzenkistchen war so voller Kot, da wäre wohl keine anständige Katze mehr draufgegangen.

Wir haben heute nur das Kistl neu gemacht, die Katzen gefüttert und den Boden glasscherbenfrei gemacht. Morgen werden wir weitersehen.

Uns ist klar, dass wir keine Aktion starten können, es ist nicht unser Eigentum und wir sind nur für die Katzen engagiert worden von Frau R. Es bräuchte sowieso einen Aufräumdienst, das schafft man so nicht.

Mein erster Gedanke: Nimm die Katzen da raus, meine Bekannte hatte den selben.
Unser zweiter: Geht nicht, wir können den Katzen nicht auch noch ihr Heim nehmen, wenn ihre Bezugsperson schon weg ist.
Füttern und ihr Kistl sauberhalten, das können wir machen.

Wie das jetzt weitergeht weiß ich nicht, wir werden uns um die Viecherln kümmern, sogut das halt geht, zweimal am Tag hin zu ihnen, sie bekuscheln und beschmusen. Und dann abwarten ob und wann Frau R. wieder heimkann und in welchem Zustand sie sich dann befindet.

Bitte denkt an sie.

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38 Antworten zu 14.11. Die alte Dame

  1. frauhilde schreibt:

    Ach, Sina, Gott sei Dank warst du da und hast was unternommen.

    Mir tut die Dame unendlich leid; wer weiß, wie lange sie in dem Dreck und Chaos gelebt hat und voller Angst war, weil sie sich an nichts erinnern konnte bzw. halt helle und dunkle Momente hatte.

  2. Gabi schreibt:

    Schlimme und traurige Sache.
    Ich finds wirklich sehr lieb von Euch, dass Ihr Euch um die Dame und die Katzerln kümmert. Nach dem Chaos zu schließen, dürfte es ihr ja schon ein Weilchen nicht mehr allzu gut gegangen sein. Wer weiß, vielleicht hat sie ihre Medikamente nicht genommen oder sich vergessen neue zu besorgen. Man kann nur hoffen, dass da vom Krankenhaus vielleicht Schritte unternommen werden, dass, wenn oder falls sie wieder nach Hause kommt, eine Betreuung bekommt.
    Die Katzerln würd ich, wenn möglich, noch nicht wo anders hingeben. Vielleicht gehts der Dame ja danach wieder halbwegs und da wäre es für sie vielleicht auch ein Schlag, wenn die Katzen nicht mehr da wären. Vielleicht geben sie ihr doch einen gewissen Halt. Aber natürlich nur, wenn es den Tieren auch gut bei ihr geht.

    • giftigeblonde schreibt:

      Gabi ihre Medis hat sie definitiv nicht genommen, die fanden wir im Garten, fein säuberlich in so einer Wochenbox.
      Zusätzlich hat sie noch so eine Depotspritze, aber da weiß ich nix genaueres.

      Heute ist der Enkelsohn aufgetaucht, der anscheinend doch immer am Wochenende bei ihr wohnt. Zumindest die Wochenenden kümmert er sich nun um das Wohl der Mäusis. Da bin ich recht froh, weil dann halt den ganzen Tag wer da ist,..der sich um sie kümmert.
      Leider ist der Enkelsohn auch nicht ganz gesund….

      Es wird ihr nach dem Aufenthalt in der Klinik wahrscheinlich wieder wie vorher gehen, also recht gut.
      Das Chaos haben ja nicht nur kranke Menschen…

      So lieb übrigens, hab heute von einer Freundin und von einer Kundin Geld bzw. eine Katzenfutterlieferung bekommen.
      Die Hilfe funktioniert also toll.
      Wobei, wir hätten das auch alleine bezahlt, keine Frage, aber lieb finde ich das trotzdem.

  3. Gabs schreibt:

    Wie die Dame über uns. Allerdings wirft die ja das Geschirr ins Treppenhaus… Großartig, dass Ihr Euch um die Katzen kümmert!

  4. „unglaublich, wie aus einer Geschichte eine völlig andere werden kann. Aber das ist wahrscheinlich das Krankenbild dieser Krankheit, ich kenne mich zuwenig aus.“

    Das ist in sehr vielen Fällen eine reine Charakter-Frage. Übe dieses „Phänomen“ wundere ich mich seit Mai/Juni d. J. bezüglich eines Wesens, die ich einst sogar „Freundin“ nannte. Wenn es nicht so abgrundtief traurig wäre, konnte man es fast „faszinierend“ nennen.

    Ich denke an sie. Ja. Und an Euch beide: Toll, dass Ihr Euch um die Katzen kümmert und Euch um die Frau sorgt. Vermutlich seid Ihr beide die letzten beiden, die sie hat.

    Mehr als mögliche Gefahrenquellen (Glasscherben etc.) zu entfernen, würde ich auch lieber nicht tun. Wenn sie beim Heimkommen schräg drauf ist, wird es für Euch vermutlich sowieso nicht allzu lustig. Insofern drücke ich vor allem Euch beiden die Daumen!

    • giftigeblonde schreibt:

      Danke Tina!
      Naa mehr meachen wir nicht, soviel halt das sich die Katzen nicht verletzen können.
      Sprich wir haben heute gekehrt und gewischt in Küche und Bad, da wo halt Blutflecken und Glasscherben waren und sämtliches Geschirr gereinigt. Sonst wird das ja schimmlig alles. Sowie verderbliche Lebensmittel entsorgt, aber das hat sie uns gestern erlaubt das wir das machen.

      Wenn sie wieder eingestellt ist mit den Medis, ist sie nicht schräg drauf, zumindest war sie das nie so richtig,..

      Sie hat nicht nur uns beide, aber die Verwandtschaft ist selbst lädiert und sitzt in Anstalten,…brauch i net weiterreden oder?
      Aber in der Nachbarschaft hier klappt das gut, hab heute Geld bekommen, damit nicht nur wir zwei das noch nötige Katzenfutter und Streu kaufen könnne.

      Und inzwischen haben wir beschlosse, wenn sie zurück ist, werden wir ihr Hilfe anbieten um das Gesamtchaos zu lindern,..unter ihrer Anleitung natürlich!

      Also es geht voran,..ein bisschen, aber es geht!

  5. Anneliese schreibt:

    Aber so eine Einweißung in die Psychiatrie kann oft sehr lange dauern bis zu einigen Monaten. Und wenn sie dann vielleicht in ein Heim kommt kann sie die Tiere nicht mitnehmen. Eine möglichkeit wäre die Tiere solange in Pflege zu nehmen.

    • giftigeblonde schreibt:

      Wir schauen mal.
      Solange es geht versorgen wir die Tiere in der gewohnten Umgebung, sollte das nicht mehr möglich sein, dann überlegen wir neu.
      Hilft ja nix, in ein Tierheim wollen wir die beiden Katzis nicht geben.

  6. regenbogenlichter schreibt:

    Was ist denn das, die werden schon nicht verhungern?! Gut, dass du nicht locker lässt und bei dir wären die Katzen sicher besser aufgehoben! Ich glaube, sie wùrden sich schnell einleben. Und wenn du sie jetzt fütterst, bist du auch Bezugsperson.
    Aber warten wir mal, ob die alte Dame zurück kommt. Hört sich aber schwer nach Alzheimer und Demenz an.

    • giftigeblonde schreibt:

      Ute, psychische Krankheit, welche genau weiß ich nicht.
      Ich kann sie nicht zu mir nehmen, ich weiß nicht was meine zwei tun würden.
      Wenn alle Stricke reissen, kann sie meine Bekannte zu sich nehmen, mit der ich die Katzerln abwechselnd jetzt betreue.

    • regenbogenlichter schreibt:

      Na gut, das müsste man ausprobieren. Könnte auch schief gehen. Aber wenn sie im Notfall noch jemand nehmen kann, ist es ja schon gut.

    • giftigeblonde schreibt:

      Ja wir schauen mal von Tag zu Tag,..was anders geht nicht im Moment.
      Wichtig ist mal dass die Mausaln ein DAch übern Kopf haben und Futter. Und Kuschelmamis 🙂

    • regenbogenlichter schreibt:

      Da mache ich mir bei euch keine Sorgen…das haben sie sicher… 🙂

    • giftigeblonde schreibt:

      Danke Ute 🙂
      Glaub mir am liebsten würd ich sie ja einpacken, aber ich muss natürlich an meine beiden denken und der 12jährige Bär ist natürlich schon sehr eigen, wir sind froh dass das mit dem Garfield relativ gut geklappt hat. Da noch zwei springlebendige Katern, junge, dazuzupacken, das wagen wir nicht.

    • daslandei schreibt:

      Solange es irgendwie (wenn vielleicht auch mit Unterstützung) geht würde ich der Dame die Katzen nicht wegnehmen – das wäre denke ich ein ziemlich harter Schlag für sie und könnte die Situation noch verschlimmern… Ich denke, es ist gut, dass ihr die Katzen dort versorgt und dass es einen Notfall Plan B gibt!

    • giftigeblonde schreibt:

      So sehe ich das auch.

    • regenbogenlichter schreibt:

      Ich denke die Unterstützung wird das Wichtigste sein. Denn wenn alte Leute einmal durcheinander sind, bleiben sie es meist auch. Da sie sicher aber auch klare Momente haben, wird es wichtig sein, dass jemand mit hinschaut. Ansonsten sind Tiere für sie gut, die haben einen ganz anderen Zugang, als Menschen. 🙂

  7. daslandei schreibt:

    Ich finde es auch gut, dass ihr hinschaut. Eine ähnliche Situation habe ich mal in einer Apotheke erlebt, wo mir die Apothekerin über den Tresen zuflüsterte, ich solle schauen, dass ich von der harmlos aussehenden älteren Dame am Kosmetikregal ein wenig Abstand halte – sie war wohl auch aggressiv geworden. Da haben sich die Apothekenmitarbeiter aber auch direkt und wirklich gut gekümmert und die Dame wurde dann von ihrem Betreuer abgeholt…

    Traurig sowas.

    • giftigeblonde schreibt:

      ja traurig, wir spielen jetzt verschiedene Möglichkeiten durch.
      Es hat sich herausgestellt dass sie doch keinen Sachwalter hat,..was mich sehr erstaunt, bisher hatte das anders geklungen.
      Aber heute haben wir auf der Gemeinde nachgefragt und sie hat definitiv keine Betreuung.

  8. Turbohausfrau schreibt:

    Das ist wirklich eine traurige Geschichte. Ich hoffe, die Sache nimmt dich nicht zu sehr mit!

  9. Mensch, ist das schlimm … 😦

  10. Follygirl schreibt:

    Vielen DANK, das Ihr den Katzen helft, das ist ja nicht selbstverständlich wie ich früher oft genug erleben mußte.
    Ich hoffe, es läßt sich ein gute Lösung finden.
    Warum allerdings so ein alte Frau noch so junge Katzen hat? Das ist keine gute Sache ..
    LG, Petra

    • daslandei schreibt:

      Ich finde es ehrlich gesagt nicht so schlimm, dass die Dame junge Katzen hat. Wie oft habe ich erlebt, dass Tiere eine wichtige Stütze gerade für ältere und auch kranke Leute sein können. Dass es ihr jetzt plötzlich so viel schlechter geht konnte auch keiner ahnen. Katzen sind selbstständig, mit ihnen muss man nicht spazieren gehen – und offensichtlich hat sie sich ja bis zur Verschlechterung ihres Zustandes gut um die Katzen gekümmert – und sie selbst in der Klinik nicht vergessen…

    • giftigeblonde schreibt:

      Ihr Hund war verstorben, daraufhin hat sie sich Katzen genommen. Ich bin da deiner Meinung Landei, sie wußte genau dass die Katzerln zu versorgen sind und deren Versorgung ist ja nun gewährleistet.
      Es war eine Verschlechterung binnen einer Woche, bis dahin lief alles normal, sie bekommt ja Medis.

    • giftigeblonde schreibt:

      Petra, hab schon dem Landei zu der Sache geantwortet!
      Liebe Grüße S.

    • giftigeblonde schreibt:

      Aja sooo alt isse nicht, sie wird nächste Woche 65.

  11. meintagesablauf schreibt:

    Das ist echt eine schlimme Geschichte. Ich denke das die Dame jetzt bestimmt erst wieder mit Medikamenten eingestellt wird und dann erst nach Hause darf. Die Frage ist, ob sie sie dann auch nimmt.
    Vielleicht könnt ihr mit den Schwestern oder mit dem Arzt reden, das die ältere Dame eine Betreuung braucht, die wenigstens einmal am Tag nach ihr sieht. Wenn es so schlimm dort aussieht, dann kann es ja sein, das sie es noch nicht mal schafft für sich alleine zu sorgen, wie soll es da mit den Kätzchen klappen.
    Aber ich find es wirklich gut und bewundernswert das ihr euch kümmert, das würde nicht jeder machen.
    LG Gabi

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